Was macht eigentlich eine Mannschaft aus?
2. Landesklasse | Auswärts-Punktspiel
Manchmal sind es nicht die Siege, die eine Geschichte erzählen. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die zeigen, was eine Mannschaft wirklich ausmacht.
Wir, die 3. Mannschaft der BSG Pneumant, hatten am Freitagabend ein Punktspiel in Marxdorf.
IN MARXDORF!
UM 19 UHR!
AN EINEM FREITAG!
Man muss schon eine besondere Beziehung zum Tischtennis haben, um bei dieser Aussicht in grenzenlose Vorfreude auszubrechen. Sagen wir mal so: Die Begeisterung hielt sich in überschaubaren Grenzen.
Das Ergebnis? 8:6 gegen uns. Mist. Punkt verloren, Abend gelaufen? Man könnte den Bericht hier beenden. Aber dann würde man das eigentlich Wichtige vergessen.
Denn – was ist eine Mannschaft? Im Tischtennis stehen Spieler am Tisch. Mehrere Schläger, viele Beine und im besten Fall Menschen, die wissen, was sie tun. Doch eine Mannschaft besteht aus weit mehr als Denjenigen, die an diesem Abend tatsächlich antreten. Da gibt es weitere Spieler, Unterstützer und Menschen, die einspringen, wenn es darauf ankommt.
Diesmal hatten wir allerdings Pech. Viele unserer wilden, jungen Hüpfer konnten die Reise nach Marxdorf nicht antreten. Also musste Ersatz her. Und tatsächlich erklärte sich ein Jugendlicher bereit, uns auszuhelfen. Genau das ist Vereinsleben! Der Nachwuchs springt ein, übernimmt Verantwortung und hilft den Erwachsenen aus der Patsche. Dafür schon einmal ein herzliches Dankeschön!
Doch wer glaubt, damit sei die Sache erledigt, kennt die deutsche Bürokratie schlecht. Denn zwischen der guten Idee, einen Jugendlichen einzusetzen, und dem tatsächlichen Wettkampf lauern bekanntlich Formulare, Meldungen und Besonderheiten, die beachtet werden wollen.
Und ich? Der Kapitän dieser glorreichen Truppe? Ich war blauäugig in den Tag gestartet. In meinem Kopf war alles ganz einfach: Spieler gefunden, Mannschaft komplett, auf nach Marxdorf!
Doch dann traf mich die Erkenntnis wie ein Schaltjahr, das völlig unerwartet im Kalender auftaucht: Moment mal! Da war doch etwas mit der Meldung und den Besonderheiten beim Einsatz eines Jugendlichen!
Und das ausgerechnet mir! Mir, der Verwaltungsarbeit ungefähr so sehr liebt wie Fußpilz, gebratene Leber, lange Noppen, auslaufende Wasserleitungen, Mücken oder Niederlagen des HSV. Also praktisch gar nicht.
Nun galt es, innerhalb weniger Minuten eine Lösung zu finden. Wobei ich ausdrücklich darauf hinweisen möchte: Alles unter 90 Minuten zählt bei Verwaltungsangelegenheiten in Deutschland bereits als Hochgeschwindigkeitsverfahren!
Und genau in diesem Moment zeigte sich, was eine Mannschaft wirklich ausmacht.
Während ich gedanklich vermutlich schon zwischen Formularen, Vorschriften und dem sicheren Untergang unserer Spielberechtigung pendelte, schaltete sich ein Teammitglied ein. Ohne großes Aufheben, ohne Drama, einfach anpacken und lösen.
Thora übernahm!
Sie kümmerte sich um die notwendigen Verwaltungsangelegenheiten und löste das Problem kurzerhand unterwegs, während die Fahrt nach Marxdorf bereits lief. Was für mich eine bürokratische Katastrophe mit offenem Ausgang hätte werden können, wurde dank ihr zu einer lösbaren Aufgabe.
Liebe Thora, dafür möchte ich dir ausdrücklich und von Herzen danken! Du hast nicht einfach nur ein Problem beseitigt. Du hast der Mannschaft geholfen, Verantwortung übernommen und genau das getan, was ein Team ausmacht: Du warst da, als es darauf ankam.
Dass ich anschließend auch noch unser Doppel verhauen habe, tut mir deshalb gleich doppelt leid. Erst rettest du uns organisatorisch den Abend, und dann liefere ich am Tisch nicht die passende sportliche Gegenleistung. Ganz großes Kino meinerseits!
Aber vielleicht liegt gerade darin die Erkenntnis dieses Abends.
Eine Mannschaft ist nicht nur eine Ansammlung von Spielern, die gelegentlich gute Ergebnisse erzielen. Sie ist nicht allein die Tabelle, nicht das Spielverhältnis und auch nicht der Sieg am Freitagabend.
Eine Mannschaft ist dann eine Mannschaft, wenn Menschen füreinander da sind!
Wenn jemand einspringt, obwohl es unbequem ist. Wenn jemand Verantwortung übernimmt, obwohl es nicht seine Aufgabe sein müsste. Wenn einer kämpft, eine andere organisiert, jemand hilft und am Ende alle gemeinsam dafür sorgen, dass es weitergeht.
Wir haben in Marxdorf mit 8:6 verloren. Das steht so in der Tabelle und lässt sich auch nicht schönreden.
Aber an diesem Abend haben wir etwas gewonnen, das sich in keiner Tabelle ablesen lässt: die Gewissheit, dass wir uns aufeinander verlassen können.
Und wenn ihr mich fragt, ist genau das der Grund, warum wir diesen Sport nicht nur spielen, sondern gemeinsam als Mannschaft erleben.
Danke, Thora! Und danke an alle, die unsere 3. Mannschaft zu mehr machen als nur vier Spielern an einer Tischtennisplatte.
Text: Maurice Müller

